Oxalis - SauerkleeOxalis acetosella (Sauerkleegewächse, Oxadilaceae)

Unzählige Sauerkleepölsterchen überziehen im Frühjahr den vom Schnee befreiten Waldboden. Hell und duftig heben sich diese zarten Pflänzchen vom dunklen Untergrund ab und blühen schon früh zart und weiß.  Aus unserer Kindheit ist uns wohl allen der erfrischend säuerliche Geschmack des Sauerklees bekannt. Das Sauerkleepflänzchen ist bis in die unterirdischen Teile hin von Frische durchzogen, was man am knackigen Rhizom bemerken kann.

Der zarte Sauerklee ist eine Pflanze der Gegensätze. Das saftige Rhizom lässt ein strotzendes Pflänzchen erwarten, doch steigen überraschenderweise zarte, empfindsame  Blatttriebe und feine violett geäderte Blütentriebe hervor. Blüten und Blätter werden dem - am Waldboden seltenen -  Sonnenlicht wie hingehalten. Blatt und Blüte zeigen große Sensibilität gegenüber Licht und Wetter und schließen sich sofort, wenn zu weinig Licht einströmt, also bei beginnender Dunkelheit oder Regen.  So scheint unser Sauerklee ganz der dunkel-feuchten Lebensfülle des Waldbodens zu entspringen, öffnet sich aber bereitwillig und feinfühlig dem Spiel von Licht und Luft.

Die gesamte Pflanze strömt kräftiges, jugendliches Wohlbefinden aus, zeigt aber andererseits Reaktionsvermögen  gegenüber der Welt, die von oben an das Pflänzchen herangetragen wird. Lichtvolle Heiterkeit, kraftvolle Belebung und tief greifende  Anregung liegen in den Möglichkeiten des vielfältigen Pflänzchens. Es wundert nicht, dass der Sauerklee, auch Kuckucksklee genannt, als Glücksklee zu Sylvester ein freud– und kraftvolles kommendes Jahr ankündigt. Kuckucksklee wird er vermutlich genannt, da er blüht, wenn der Kuckuck schreit. Auch glaubte man, dass der Kuckuck für seinen sonderbaren Gesang Sauerklee fressen muss.

In manchen Gegenden der südlichen Alpenländer, wie zB. im italienischen Friaul wird der Glücksklee „Pan e vin di montagns“, also „Brot und Wein der Berge“ genannt. Hinter diesem Ausdruck lässt sich eine tiefe Symbolik erahnen: Nicht nur wurde der Sauerklee der Gründonnerstagsspeise zugesetzt, die reinigenden Charakter hatte, der Ausdruck „Brot und Wein“ erinnert an das Abendmahl des christlichen Ritus, dem Leib und Seele gesundende Qualitäten beigemessen wurden.

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